Kritiker sind Verschwörungstheoretiker

Naja, zu DDR-Zeiten waren alle Kritiker der Arbeiter-und-Bauernmacht nicht nur Nazis, sondern auch Agenten des Monopolkapitals und Friedensfeinde.

Da lebt es sich doch als Verschwörungstheoretiker ganz kommod...

Nein, die ARD hat sich mit ihren Beitrag nicht selber übertroffen. Es ist leider Alltagskost, die uns immer wieder vorgetragen wird.

Verschwörungstheorien Böse Mächte und trojanische Pferde

Stand: 02.04.2020 10:00 Uhr

Inmitten der Corona-Krise blühen Verschwörungstheorien - vermeintliche Expertenaussagen sollen beweisen, dass etwas anderes hinter der Pandemie steckt. Das ARD-Magazin Monitor hat einige Thesen hinterfragt.

Von Jochen Taßler und Jana Heck, WDR

Oberhalb dieser Überschrift sehen wir das Gesicht von Wolfgang Wodarg auf einem Bildschirm .

Damit wird Dr. Wodarg als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt. Dass dies „nur“ implizit (suggestiv) erfolgt, macht die Sache nicht besser.

Erprobte Gesundheitspolitiker und gestandenen Virologen mutieren hier als gleich mal auf die Schnelle zu „vermeintlichen Experten“. Gut.

Dass diese Aussagen „beweisen (sollen), dass etwas anderes hinter der Pandemie steckt.“sagt mehr über die Interpretation als über den Inhalt der Aussagen aus.

Man muss den Autoren zugute halten, dass sie hier ja nicht mal den Versuch unternehmen, seriös oder gar sachlich zu erscheinen.

Auf den ersten Blick wirkt es seriös, mit großer Expertise ausgestattet und angesichts der aktuellen Corona-Krise auch beruhigend: Ärzte und andere Fachleute versichern, es sei alles nicht so schlimm, wie es scheint. Die Artikel und Interviews von Wolfgang Wodarg beispielsweise werden im Netz hunderttausendfach geklickt. Im Kern ist seine Aussage, dass es Coronaviren schon immer gab. Das neue Virus sei nicht gefährlicher als übliche Grippeerreger.

Der Internist Claus Köhnlein etwa erklärt, er könne keine neue Erkrankung am Horizont erkennen. Nähme man den Test weg, würde man auch keine verstärkte Mortalität oder Erkrankungshäufigkeit mehr feststellen können. Der Homöopath Rolf Kron vertritt in einem am 10. März veröffentlichten Video gar die Ansicht, dass "diese Corona-Geschichte jetzt Ende März wieder völlig ausklingen" würde.

 

„Ärzte und andere Fachleute versichern, es sei alles nicht so schlimm, wie es scheint.“
Ja, was haben die beiden Autoren denn da gelesen oder gehört? Nicht verstanden haben sie auf jeden Fall, dass die kritisierten Experten in erster Linie eine kritische Analyse der statistischen Basis der Covid-19-Epidemi einfordern und keiner von den hat behauptet, dass die vier großen Grippewellen in den letzten acht Jahren, die jeweils mehr als 20.000 Tote gefordert hatten (Übersterblichkeit, konservative Schätzung), nicht so schlimm gewesen seien. Warum unterstellen dann die ARD-Experten derlei?


Es ist übrigens nicht nur Köhnlein der behauptet, Corona-Viren hätte es „schon immer" gegeben. Hier wird aber suggeriert, es handele sich um eine Einzelmeinung (vgl. z.B. „Coronaviren sind schon seit den 1960er Jahren bekannt.")

Interessant wäre es auch gewesen kurz anzureissen, warum Köhnleins Begründung nicht halten solle. Hier kommt nichts, denn dann hätte man ja schreiben müssen, wir hätten insgesamt ein signifikant erhöhte Mortalität und diese Aussage wäre überprüfbar. Das wollen wir doch nicht, oder?

Kron ist übrigens Arzt und Homöopath, wie konnte das den Autoren entgehen (kleiner Scherz...).

Am Rande: wie viele Aussagen gab es denn zur kollabierenden Notfallversorgung zum gleichen Zeitpunkt (Ende März) - wird derlei von den Autoren deren Kollegen erwähnt? Nein.

Aussagen von Wodarg und Co. wissenschaftlich nicht haltbar

Längst haben verschiedene Experten solche Aussagen widerlegt: Auch wenn sie auf bekannten Fakten beruhten, seien die Schlussfolgerungen wissenschaftlich nicht haltbar. Eine gefährliche Verharmlosung des neuen Virus, sagt etwa Gérard Krause, Leiter der Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum in Braunschweig dem ARD-Magazin Monitor: "Die verstorbenen Patienten und auch die Todesfälle beim medizinischen Personal, die sind ja nicht erfunden. Die wären uns auch aufgefallen, wenn wir kein Erfassungssystem oder keinen Namen für das Virus hätten." Trotzdem verbreiten sich solche Aussagen im Netz immer weiter, vor allem bei sogenannten "alternativen Medien".

Welche Experten, welche Aussagen? Außer Krauses Aussage wird nichts angeführt. Dennoch haben „Experten“ dies „längst“ widerlegt. Das ist argumentativ bestenfalls schlechtes Grundschulniveau – wo verorten die Autoren eigentlich ihr Publikum?

Und sicherlich sind die Todesfälle mit Covid-19 nicht erfunden (hat auch niemand behauptet), dass sind aber auch all jene Katastrophen nicht, die nicht im Scheinwerferlicht der Medien erscheinen.

"Alternative" Medien als Beschleuniger

Wer sich die entsprechenden Kanäle anschaut, stößt auf Namen wie "Klagemauer.tv", "Wissensmanufaktur" oder "KenFM". Verharmlosungen der Coronakrise sind hier die Grundlage für wütende Kommentare gegen die etablierte Wissenschaft und das politische System. Von "Corona-Diktatur" ist da die Rede und von "Machtergreifung". Ein anderer Beitrag sieht in Corona einen "asymmetrischen Krieg" der "Superreichen gegen die restlichen 99 Prozent".

KenFM erklärt auf Nachfrage, man lege Wert auf Vielfalt und Diskussion. Viele Experten aber sehen die Plattform auch als Forum für Verschwörungstheorien, bei denen es gerade nicht um sachliche Argumente und widerstreitende Meinungen geht. Vielmehr zeichneten sie sich dadurch aus, dass hinter der etablierten Wissenschaft und dem Handeln der Regierung eine dunkle Macht herauf beschworen wird, die im Geheimen Böses tut, erklärt die Psychologin Pia Lamberty. Sie forscht an der Universität Mainz zu Verschwörungstheorien. Viele Theorien, die jetzt zu Corona im Umlauf seien, folgten einem bekannten Muster: "Es gibt die bösen Verschwörer, die die Welt zerstören wollen in irgendeiner Art und Weise und es gibt die Guten, die die Wahrheit sehen, die wissen, wie es wirklich läuft", sagt Lamberty.

Nun werden die Aussagen von Wodarg und Co erst mal medial eingenordet. Während die Autoren im ganzen Artikel nicht eins der angeführten Argumente Wodargs analysieren, begibt man sich in die ebenfalls nur sehr schemenhafte Analyse alternativer Medien. Warum das Wort Alternative hier in Anführungsstrichen geschrieben wird, bleibt unklar. Es wird auch nicht belegt, wer die vielen Experten sind, die KenFM als Forum von Verschwörungstheoretikern betrachten.

Es ist auch geradezu komisch, wenn die Autoren Anderen „wütende Kommentare gegen die etablierte Wissenschaft“ vorwirft während man im selben Artikel Wissenschaftler erniedrigt und deren Aussagen keiner direkten Entgegnung würdigt.

Es werden zwei Beiträge angeführt, die in keinem direkten Zusammenhang mit den medizinischen Aussagen Wordags stehen, sondern diese nur in einem Zusammenhang hineininterpretieren. Nach der Logik wäre die ARD unseriös, wenn ihre Aussagen (mal angenommen,, es würde sich um seriöse handeln) von wem auch immer zur Begründung obskurer Theorien benutzt werden würden.

Danach wird die zum Thema Verschwörungstheorien forschende Pia Lamperty zitiert. Dabei wird suggeriert, sie würde sich auch zu Wodarg, Bhakdi und Anderen äußern („ Viele Theorien, die jetzt zu Corona im Umlauf seien, folgten einem bekannten Muster“). Ich bezweifele, dass Frau Frau Lamperty mit ihrer Aussage die Angegriffenen im Blick hatte.

So ähnlich klingt das auch bei Heiko Schrang. Mit seinem YouTube-Kanal erreicht er Hunderttausende Zuschauer. Aktuell geht es vor allem um Corona. Das eigentlich harmlose Virus sei eine Art "trojanisches Pferd", Teil eines großen Plans, die Menschen zu unterdrücken: Menschen, die Angst haben, könne man leichter "brechen".

Der Tübinger Professor Michael Butter beschäftigt sich seit Jahren mit Verschwörungstheorien. Nach seiner Einschätzung können sie dann gefährlich werden, wenn sie "ein geschlossenes Weltbild" verkörpern, "wo alles, was dagegen spricht, entweder ausgeblendet wird oder zu einem Beleg für die Verschwörung umgewandelt wird". Denn dann seien die Menschen nicht mehr mit Fakten zu erreichen.

Hier das gleiche Spiel noch mal mit einem anderen Youtube-Kanal und einem anderem Forscher zum Thema Verschwörungstheorien. Auch hier wird wieder suggeriert, dass die Aussagen sich auf die Argumentation von Virologen und Praktikern wie Wodarg und Bhakti beziehen, obwohl die m.E. mehr als unwahrscheinlich ist.

Das Netz "alternativer" Medien

Die Seiten und Kanäle der "alternativen Medien" haben unterschiedliche Schwerpunkte, aber viele arbeiten lose zusammen, verweisen aufeinander und auf die gleichen Experten. Bei SchrangTV war im vergangenen Jahr beispielsweise Andreas Popp Interviewgast. Popp ist einer der Köpfe der "Wissensmanufaktur". Die Plattform verbreitet radikale Kritik an Medien und Politik. Auch dort findet sich ein Interview mit Wolfgang Wodarg über das angeblich harmlose Coronavirus. Der Titel: "Kampf gegen die Bürger: Coronavirus ein Riesenfake?"

Sowohl Popp als auch Schrang traten in den vergangenen Jahren als Redner bei der so genannten "Anti-Zensur-Koalition" auf, einem Stelldichein von Esoterikern und Verschwörungstheoretikern aus dem deutschsprachigen Raum. Bei der "Anti-Zensur-Koalition" kamen schon Holocaust-Leugner zu Wort, ebenso wie der extrem rechte Publizist Jürgen Elsässer.  Er gibt das Compact-Magazin heraus, das immer wieder Stimmung gegen Flüchtlinge macht. Nun nutzt es die Pandemie, um alte Verschwörungstheorien zu bedienen. So warnt der aktuelle Titel vor einer neuen "Asylflut im Schatten von Corona".

Hier wird Schrang ausführlich analysiert. Und schließlich wird der Bogen zumRechtspopulismus“, zum Antisemitismus und auch – endlich – zur Asylpolitik gespannt. Warum mussten wir solange darauf warten?

 

Organisator der "Anti-Zensur-Koalition" ist der schweizerische Sektenführer Ivo Sasek, der auch das Portal "Klagemauer.tv" betreibt. Der deutsche Einmarsch in Polen im Zweiten Weltkrieg wurde dort als "Notwehr" bezeichnet, die bis heute medial verschwiegen werde. Im Hinblick auf das Coronavirus wird darüber spekuliert, dass es gezielt als "Biowaffe" eingesetzt worden sein könnte.

Auf Nachfrage von Monitor, wie man zu den eigenen Inhalten stehe, erklärt die Plattform, dass sie keine feste Meinung vertrete. Es würden lediglich "Gegenstimmen" veröffentlicht und Fragen aufgeworfen.

Gut, der Artikel beschäftigt sich laut Überschrift mit Verschwörungstheorien.
Bleibt die Frage, warum Wodarg noch über die Überschrift abgebildet wird und welche seiner Aussagen die „Verschwörungstheoretiker“ usw. aufgreifen und ob daraus folgt, dass diese Aussagen sachlich falsch sind (nach dieser haltungsorientierten Logik müssten auch die Hersteller von Autos für alle Straftaten, die mit ihren Fahrzeugen begangen werden, in Haftung genommen werden).
Aber ich vermute mal, darum ging es nicht. So wie es dargestellt wird, geht es alleine um die Verknüpfung von unabhängigen Experten mit einer Gruppe Suspekter. Dieses Muster taucht bei den ÖRR in den letzten Jahren wieder und öfter auf.
Wer in welcher Frage auch sich gegen die Position von ARD, ZDF und Bundeskanzleramt samt dessen Junior-Partner stellt, ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch Verschwörungstheoretiker, Shoa-Leugner und Rassist. Am besten gleich Faschist oder Nazi! Soviel Zeit muss sein. Klasse! Ab auf den Scheiterhaufen...
Dies ist kein seriöser Journalismusn der dem Grundauftrag der ÖR ernst nehmen würde.
Selbst für NRW-Abiturienten ist dies intellektuell und moralisch eine Bankrotterklärung.

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