Was Faktenchecker können müssen

1. Widerlegen Sie immer Sachen, die keiner behauptet hat. Damit zeigen Sie, wie sehr die Anderen die Unwahrheit sagen und ehe die entgegnen können, dass ihre Aussage eine andere war, ist der das Publikum schon wieder ganz woanders. Funktioniert seit Jahre bestens!

2. Gehen Sie niemals die angeführten Fakten und die angeführten Quellen durch. Entgegnen Sie stattdessen eigene, notfalls alternative, Fakten oder sehr eigene Interpretationen ohne konkrete Quellenangabe (viele Experten meinen) während die Gegenseite „kritisch betrachtet" wird, „umstritten" ist oder den populistischen Anspruch auf die Mehrheitsmeinung erhebt (die Sie natürlich wiedergeben, niemals die Populisten).

3. Bauen Sie immer suggestive Brücken zwischen anerkannten Grenzdebilen (echten Nazis, Ufologen, Shoa-Leugnern) und allen, die oppositionell gegenüber Ihren Anschauungen und damit gegen die der Regierung argumentieren. Der ARD ist es im Wogard-Bericht vorzüglich gelungen. Derlei ist sprachlich nur in holpriger Form zu entlarven und Sie glauben ja gar nicht, wie viele Konsumenten das schlucken.

4. Sprechen Sie den Opponenten jede Kompetenz ab. Sie als Journalisten haben genau wie Politiker in Regierungsverantwortung, Schauspieler und Gesangsartisten in jeder Hinsicht die besseren Argumente (das Mikrophon!) und damit das Ohr des Publikums verdient. Wenn dann solche Möchtegerne wie Wodarg oder Bhakdi daherkommen, weisen Sie diese in die unwissenschaftliche Ecke, das verschafft Ihnen Respekt!

5. Messen Sie immer mit zweierlei Maß! Anforderungen an die Belegbarkeit und an möglichst polemikfreie Diskussionskultur sind prinzipiell nur an die Gegenseite zu stellen.

a) Dass muss sich auch in der Wortwahl widerspiegeln. Sie argumentieren, führen an, klären auf, die Anderen schwadronieren, werden rumgereicht oder geistern umher und hetzen. Wie angeführt sind die Anderen Populisten, während Sie die einzig wahre und damit Mehrheitsmeinung widerspiegeln.

6. Definieren Sie Begriffe um, das verstärkt Ihre Argumentationslinie. Im Falle Corona bezeichnen Sie alle, die mit Covid-19 gestorben sind, als „Corona-Tote", egal wie viele Krankheiten sie noch hatten und was deren Leben wirklich verkürzt hat. Machen Sie es einfach, das klappt! Sicher, bei den Grippeepidemien der Vorjahre hat man nur über die Übersterblichkeit geredet, also darüber, wieviele Menschen mehr gestorben sind als es ohne den Virus geschehen wäre, aber egal, das ist alles zu kompliziert für das einfache Zahlvolk. Inzwischen sind ja auch alle Migranten Flüchtlingen, alle Rechten Rechtsextremisten und alle Merkelkritiker Nazis, nicht zu sprechen von der neuen Form von Hetzjagden und von semantischen Feinheiten... Hätte vor sechs Jahren auch keiner geglaubt dass das funzt - also einfach weiter so!

7. Dabei niemals vergessen, dass die Gegenseite immer grob vereinfachen will und Sie ja natürlich wissen und auch sagen, dass es niemals so einfach ist. Da Sie immer das letzte Wort haben, können Sie da nicht viel falsch machen.

8. Immer die anderen Kanäle abwerten. Was nicht von Patrick Gensing persönlich getestet und für gut befunden wird, ist kein Journalismus und in aller Regel rechte Hetze oder eine andere Form von Verschwörungstheorie. Wenn Sie in beispielsweise den Zuschauerreaktionen auf bestimmte Beiträge einer konzertierte Aktion „rechter Kreise" oder Bots sehen, ist das was anderes. Sie sind ja per se die Guten und wer auf anderen Kanälen unterwegs ist, muss ja schlechter sein als Sie. Um Gottes Willen nie den Inhalt und die argumentative Stringenz der Gegenseite auch nur thematisieren!!!